Author Archives: andrea-schmelzle

TAMAM: Spaghetti für Zwei

Inspieriert von der Kurzgeschichte „Spagetti für zwei“ von Federica de Cesco haben wir einen weiteren Comic entwickelt: Die Geschichte thematisiert, wie Vorurteile einen Jugendlichen bestimmen und ihn in die Irre leiten können.
In unserer – leicht abgewandelten – Geschichte geht es um die Schülerin Marianna, die sich in der Mensa eine Gemüsesuppe gönnt. Sie stellt den Teller mit der Suppe auf ihren Platz und geht einige Sekunden weg, um sich einen Löffel zu besorgen. Als sie zurück kommt, sitzt ein Dunkelhäutiger an ihrem Tisch, der die Gemüsesuppe verzehrt. Empört setzt sich Marianna hin und isst mit dem Fremden die Suppe. Nachdem die Suppe fertig ist, kauft der Unbekannte eine Portion Spaghetti mit zwei Gabeln. Gemeinsam genießen Marianna und der Schwarze die Spaghetti. Am Ende der Geschichte stellt sich heraus, dass der Dunkelhäutige gar nicht die Suppe von Marianna gegessen hatte, sondern seine eigene. Mariannas‘ Suppe hatte am Platz daneben gestanden. Durch die Verwechslung entstand eine lang andauernde Freundschaft.
Für uns war das natürlich ein passendes Thema. Wird damit doch ausgedrückt, dass in der Gesellschaft sehr viele Vorurteile gegenüber Schwarzen bzw. Randgruppen herrschen. Die Erzählung ist ein Beispiel für Rassismus. Es hat uns gereizt, sie als Comic umzuwandeln, zu bebildern und zu betexten. Es war gar nicht leicht, die Sache mit dem verwechselten Teller bildlich nachzustellen. Und, was wir noch festgestellt haben: Es war auch gar nicht so einfach, immer die entsprechende Mimik und Gestik hinzukriegen. Denn diese ist bei der Geschichte enorm wichtig, da sich mehr als die Hälfte ohne gesprochene Worte abspielt. Es geht hier eher darum, was sich die Protagonisten denken. Das kann man im Comic natürlich auch mit Denkblasen darstellen. Trotzdem funktioniert es natürlich nur, wenn die passenden Gesichtsausdrücke dazu zu sehen sind.

Aber unsere beiden Hauptdarsteller haben es bestens gemeistert. In nur wenigen Anläufen sind ausdrucksstarke Bilder entstanden. Und so ist ein Comic zu unserem ersten Thema Essen/Nahrung entstanden, der sehr nachdenklich macht. Er zeigt auf, wie schnell Menschen nur nach ihrem Äußeren bewerten. Macht aber gleichzeitig auch deutlich, dass man mit etwas Mut neue Freunde finden kann.

 

TAMAM – Making Of: Die Sache mit dem
Trockeneis

Unser Fotocomic über die Problematik einer Gruppe Jugendlicher aus verschiedenen Nationen – mit wenig Kleingeld in der Tasche – Essen zu ergattern, hat eine kuriose Auflösung.

Um die geheimnisvolle Verwandlung der Papierpizza aus dem Foodomaten in eine richtig echte und essbare Pizza noch spektakulärer zu machen, wollten wir genau diesen Prozess – nämlich der Verwandlung – für die Fotos in Dampf und Nebel „verhüllen“. Um den Zauber noch deutlicher zu machen. Um es noch mysteriöser zu halten. Daher hatte unsere Referentin Conny, die als Fotografin arbeitet, die Idee, mit Trockeneis zu arbeiten.

Trockeneis ist festes Kohlenstoffdioxid (CO2), das unter Normaldruck bei −78,48 °C sublimiert, also direkt in die Gasphase übergeht, ohne vorher zu schmelzen.Trockeneis wird hergestellt, indem unter Druck verflüssigtes Kohlenstoffdioxid entspannt wird. Ein Teil des Kohlenstoffdioxids verdampft und entzieht dabei dem Rest des Kohlenstoffdioxids die für die Verdampfung erforderliche Wärme, dieser kühlt damit ab. Es entsteht dabei sogenannter gefrorener Kohlensäureschnee. Dieser wird dann, je nach Anwendung, in die gewünschte Form gepresst.

Die Umsetzung unserer Idee war jedoch leider nicht möglich. Zunächst einmal ist es offenbar eine Kunst für sich, hier in der Nähe einen Trockeneishändler zu finden. Nach ausgiebiger Recherche ist Conny fündig geworden – in Igling. Doch leider hat das nichts genützt, wir hatten Pech. Genau in unserem Projektzeitraum war der gesamte süddeutsche Raum von Lieferschwierigkeiten mit Trockeneis betroffen. Der Grund: Zulieferer hatten Probleme mit dem Kohlenstoffdioxid. Wir hätten nach Hamburg fahren können, denn in Norddeutschland gab es diese Probleme nicht – aber das ist natürlich für den Transport von Trockeneis etwas widersinnig.

Also verabschiedeten wir uns schweren Herzens von unserer Idee, die Pizza in geheimnisvollem Dampf verschwinden zu lassen. Nichtsdestotrotz: Unser Fotocomic ist auch so toll geworden – eine witzige Geschichte mit surrealem Ende. Auch ohne Trockeneis, Nebel und Dampf.

 

TAMAM – Making Of: Wie aus dem Kunstautomaten ein Foodomat wird

Unsere armen, hungrigen, aber leider kleingeldlosen Jugendlichen sind verzweifelt: Aber sie haben die rettende Idee: Essen aus dem Automaten… aus dem Landsberger Foodmaten, auf den sie am Spitalplatz stoßen. Hier ziehen sie Essen aus dem Automaten – in einer Schachtel, ähnlich einer Zigarettenschachtel. Das Essen befindet sich in Papierform in dieser Schachtel und kann – wie wir später sehen werden – tatsächlich essbar gemacht werden.

In Wirklichkeit gibt es den Foodomaten natürlich nicht in Landsberg. Aber es gibt den Kunstautomaten. Der Landsberger Kunstautomat ist ein umfunktionierter alter Zigarettenautomat, aus dem man für fünf Euro ein originales Kunstwerk „ziehen“ kann. Von bekannten und unbekannten Künstlern – Originale, signiert und nummeriert.

Für unsere Zwecke und unseren Comic, mussten wir ihn natürlich umwandeln. Per Photoshop ist das möglich, aber es war ziemlich aufwendig. Jannis und Nico waren unheimlich fit darin und haben während eines Projekt-Nachmittages keine Mühe gescheut, den Foodomaten zu produzieren, aus dem man am Ende Pizza, Schweinsbraten und Spaghetti ziehen konnte…Allerdings in einer etwas seltsam erscheinenden Anmutung. Was die Jugendlichen natürlich vor neue Herausforderungen gestellt hat.

TAMAM – Noch mehr Fotocomics!

Unser Medienprojekt TAMAM geht in die nächsten Runden. Das Prinzip ist das gleiche zuvor: Junge erwachsene Geflüchtete zwischen 18 und 26 Jahren aus Syrien, Somalia, Eritrea und dem Irak werden in die Medientechnik eingeführt. Hervorragende Unterstützung erhalten sie erneut durch engagierte Schülerinnen und Schüler des IKG, die ihnen als Mentoren wichtige Hilfestellung leisten.

Dieses Mal wollen wir noch einmal vertieft in die Erstellung von Fotocomics einsteigen. Das bedeutet: Geschichten ausdenken, Fotos dazu machen, Storyboards erstellen, Bilder in das Comicprogramm einspielen, Texte für die Comics überlegen.

Der erste Themenbereich, den wir gemeinsam angehen wollten, lautet: Essen/Nahrung. Wie wir darauf gekommen sind? Weil wir zum Projektstart gemeinsam international gekocht und gegessen haben. Daher die Idee, einen Comic über Hunger und Essen zu erarbeiten.

Spektakuläre Ideen sind zutage gekommen. Die, die schließlich ausgeführt wurde: Eine abenteuerliche Geschichte einer Gruppe Jugendlicher verschiedener Nationalitäten, die sich – leider mit wenig Kleingeld in der Tasche – auf die Suche nach leckerem Essen, wenn möglich in einem Restaurant, begibt. Mit zu wenig Geld kann das jedoch ganz schön frustrierend sein.

Die Lösung: Der Landsberger Foodomat. Ein wie ein Zigarettenautomat aussehender Kasten, aus dem man tatsächlich gegen Geldeinwurf leckere Gerichte wie Pizza, Schweinsbraten oder Pasta ziehen kann. Doch wie soll das gehen? Wie sehen die Nahrungsmittel denn aus? Eine Pizza in Form eines zusammengefalteten Stück Papiers, auf dem eine Pizza abgedruckt ist, aus einer Zigarettenschachtel? Das kann doch nicht essbar sein?

Bloß nicht aufgeben lautet die Devise. Dass die Gruppe Jugendlicher damit Erfolg hat und am Ende tatsächlich eine echte Pizza auf dem Teller liegt – davon handelt der entstandene Fotocomic. Mystisch, spooky, etwas schräg … man darf gespannt sein!

Dem 21-jährigen Dickoh aus Sierra Leone hat es großen Spaß gemacht, einen Fotocomic zu erstellen. „Es war sehr lustig, sich die Geschichte auszudenken und die Fotos dazu zu machen,“ sagt er. „Gleichzeitig haben wir beim Aussuchen der Locations und Plätze viel von Landsberg sehen können.“

Auch der 21-jährige Mudar aus Syrien fand die Idee des Fotocomics gut. „Für die Zukunft wünsche ich mir allerdings Themen, die noch mehr in die Tiefe gehen, die mehr auf interkulturelle Aspekte eingehen, auf vorhandene Probleme oder Missverständnisse.“ Damit bekomme das Projekt für ihn einen größeren Realitätsbezug und mache es noch spannender.

 

 

 

TAMAM – Erste Versuche mit Tape Art

Im weiteren Verlauf unseres Medien- und Integrationsprojektes TAMAM hatten wir eine kuriose Idee. Wir wollten – ganz einfach, wie wir dachten – die Stadt Landsberg vertapen. Tape Art heißt die Kunstform, die dieser Idee zugrunde liegt. Es ist eine mittlerweile recht bekannte Kunstform. Wie der Name schon sagt: „Klebebandkunst“ beschreibt Kunst, die aus Klebebändern entstanden ist. Dabei können verschiedene Klebebänder mit unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen verwendet werden.

Hauptsächlich wurde Tape Art ursprünglich im öffentlichen urbanen Raum angewendet. Vermehrt wird Tape Art inzwischen von den Medien entdeckt und von Individuen im privaten Innenraum angewendet.

Die Vorstellung, Landsberg durch Tape Art zu verschönern, fanden wir spannend und inspirierend. Es dauerte nicht lange, und wir machten uns auf die Suchen nach passenden Locations – Plätze, Flächen, Skulpturen. Gemeinsam gingen wir mit wachem Blick durch die Stadt, stets mit dem Gedanken im Kopf: Wo kann man hier etwas bekleben?

Ideen hatten wir viele: Der Brunnen am Geog Hellmeier Platz, der Rathausinnenhof mitsamt seiner Skulptur König Maximilian II. von Bayern, der Brunnen am Hauptplatz, die weiße Wand an der Lechpromenade, Mülleimer, die etwas „aufgehübscht“ werden könnten. Wir machten Fotos von diesen Plätzen, um diese schon einmal festzuhalten und nicht nur im Gedächtnis, sondern auch vor Augen zu haben.

Im Anschluss gingen wir konkreter ins Brainstorming, entwickelten viele Ideen, diese Orte mit Tape Art zu dekorieren: Die Kugeln am Hauptplatz als Kontingente, die weiße Wand an der Lechpromanade mit Silhoutten von Passanten versehen, Gesichter für die hässlichen Mülleimer, den gesamten Rathausinnenhof als Aquarium umwandeln… und noch vieles mehr.

Schwieriges Thema

Die Ernüchterung folgte jedoch auf dem Fuße. In dem Moment, als wir den Umgang und das Kreiren von Formen mit den Tapes ausprobierten, wurde schnell klar: Das ist schwierig, eine wirkliche Kunst für sich! Allein einen Kreis oder eine Rundung hinzubekommen, erfordert wahnsinnige Geduld und so einiges an Geschick. Die Technik muss zunächst von der Pieke auf erlernt werden. Das braucht wiederum Zeit. Sollten wir unsere Ansprüche an unsere Ideen vielleicht etwas herunterschrauben? Oder uns doch auf das Betapen von Innenräumen beschränken? Tape-Bilder erstellen?

„Tape Art ist ein eher schwieriges Thema“, meint der 21-jährige Mudar aus Syrien. „Man braucht viel Material, viel Zeit und viel Ausdauer. Es ist schon sehr anspruchsvoll und schwer zu realisieren, aber auf der anderen Seite auch unheimlich interessant, und es können viele schöne Dinge daraus entstehen.

Der künstlerische Schaffensprozess ist noch nicht abgeschlossen. Es brodelt noch. Was schlussendlich daraus entstehen wird: Wir sind selber gespannt!

 

 

Lob und Applaus für eine enorme Leistung

Mode-Kostüm-Projekt „Der Rote Faden –Trau Dich“ des Kulturvereins «dieKunstBauStelle e.V.» und «der Stelzer» präsentierte in der Turnhalle in der Platanenstraße eine beeindruckende Abschlusspräsentation mit hochkarätigen Kostümkreationen und tolle schauspielerische Leistungen auf Stelzen.

 

Bereits zum dritten Mal wurde das Mode-Kostüm-Projekt „Der Rote Faden“ des Landsberger Kulturvereins «dieKunstBauStelle e.V.» nun mit Hilfe von Fördermitteln des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Landsberg durchgeführt. Jugendliche aus Landsberg und Umgebung, Schülerinnen und Schüler, Landsberger wie syrische Flüchtlinge, haben seit Juli mit großem Elan gemeinsam an ihren Werken gearbeitet, um sie schließlich in einer großen Abschlussperformance auf Stelzen dem Landsberger Publikum vorstellen zu können.

In der diesjährigen Langen Kunstnacht waren die Wetterbedingungen nicht die besten, deswegen wurden die empfindlichen Kostüme und Masken nur in einer Ausstellung gezeigt. Nun konnten die faszinierenden Ergebnisse des Kostüm- und Theaterworkshops als Abschlussperformance in der Turnhalle der Grundschule Platanenstraße präsentiert werden.

Kostüme aus Metall und Bast sowie ein Wald voller Masken

Zu sehen gab es eine spannende und gut durchdachte Inszenierung – mit Kostümen, die vom Gegensatz leben: Metallmaterialien und Bastgewebe wurden bei der Erstellung miteinander kombiniert. Zudem hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Präsentation auf Holzstäben befestigte Tiermasken in der Hand. Mit Schwein, Hase, Elefant & Co. ließen sie damit einen ganzen Wald voller Masken entstehen.

„Für diese ausgefallene Produktion war es dieses Jahr besonders aufwendig und anspruchsvoll, die Kostüme von Hand herzustellen“, betont Renate Stoiber ehemalige Chefin der Kostümabteilung der Bayreuther Festspiele. „Die Jugendlichen haben dabei sehr viel Geduld bewiesen. Ein großes Dankeschön geht an sie und natürlich auch an die vielen Helfer im Hintergrund. Ohne ihren großen Einsatz und ihr unermüdliches Engagement hätten wir das nie geschafft.“

Ein Stück von den Jugendlichen

Peter Pruchniewitz, Theaterleiter der Stelzer, studierte mit den Jugendlichen in den Herbstferien mit den neu erstellten Kostümen und Masken eine Aufführung mit musikalischer Untermalung ein, die das Publikum sofort in ihren Bann gezogen hat. „Die jugendlichen Darsteller haben alles selber erarbeitet, viele Ideen eingebracht, die Dramaturgie entwickelt und die Musik selbst ausgesucht“, betont Pruchniewitz. „Es war ein Stück von den Jugendlichen, komplett selbst gemacht.“

Dafür gab es vom Publikum einen großen Applaus: „Die Jugendlichen haben echt was geleistet – und das neben der Schule, Prüfungen und Hausaufgaben“, sagt Maggie aus Erpfting nach der Inszenierung, während man noch gemütlich beisammen bei Kaffee und Kuchen beisammen stand. „Auch schauspielerisch fand ich die dramatische Geschichte sehr überzeugend gespielt“.

„Es war ein richtiges Tanztheater auf Stelzen“, betont Brunhilde aus Kaufering. „Die Kostüme waren auch so aufwendig gearbeitet. Die Idee mit den Tiermasken fand ich besonders gut.“ Ute aus Bremen hat vor allem fasziniert, wie viel Arbeit und Elan die Jugendlichen in dieses Projekt stecken. „Dass sie in ihrer Freizeit basteln und auch selber inszenieren und dies mehr als eine halbe Stunde lang auf Stelzen präsentieren, finde ich toll“, sagt sie.

Wolfgang Hauck, Leiter der Stelzer, freute sich ganz besonderes. „Nach dem Ende des erfolgreichen Festspiels Licca Line, hatten wir somit nochmals eine Möglichkeit, für und mit Jugendlichen in Landsberg ein größeres Projekt zu verwirklichen. Das war eine ganz besondere Chance, die ohne die Förderungen nicht möglich gewesen wäre.“

Das außerschulische Projekt, das dieKunstBauStelle gemeinsam mit den Projektpartnern «Die Stelzer» und Mittelschule Landsberg realisiert, ist Teil der Maßnahme „Jugend ins Zentrum!“, die im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird.

Photo: Wolfgang Hauck

 

Tamam – Sind Ausrufe übersetzbar?

Wenn wir erschrocken sind, sagen wir „huch“ oder „oh“, wenn wir uns weh tun, sagen wir „aua“ oder „autsch“, wenn jemand niest, sagt ein anderer „Gesundheit“. Klar. Selbstverständlich.

Wie ist das denn aber eigentlich in anderen Ländern und Kulturen? Sagt man dort auch „huch“ oder „oh“? Was erwidert man hier, wenn jemand niest? Das wollten wir an einem unserer Projektnachmittage herausfinden.

Wir haben uns zusammen gesetzt, uns unterhalten und gemeinsam überlegt. Und festgestellt, dass es in anderen Ländern auch ganz andere Ausrufe gibt.

„Ai“ oder „Ach“ sagt man in Syrien etwa, wenn man sich wehtut. „Acha“ lautet der Ausruf, wenn man nach großem Durst endlich etwas zu trinken bekommt, „Ouf“, wenn man keine Geduld mehr hat und genervt ist. Wenn jemand niest, erwidert der andere „Saha“, „Jala“ heißt „Auf geht’s“ und „Tamam“, der Name unseres Projektes, bedeutet „ok, alles gut“.

Wie auch schon beim letzten Projekttag, als es um Redewendungen ging, wollten wir natürlich auch dieses Mal von den Landesbergern wissen, ob sie diese „internationalen“ Ausrufe übersetzen können bzw. ob ihnen spontan eine Idee dazu einfällt. Und erneut sind wir mit unseren Aufnahmegeräten losgezogen in die Landsberger Innenstadt, um genau diese Ideen einzufangen.

Was dabei herausgekommen ist, war zum Teil sehr lustig. Ganz klar lassen sich natürlich die meisten spontanen Assoziationen auf den Klang des Wortes zurückführen. So dachten die meisten beim Ausruf „Saha“, ausgesprochen „Sacha“, spontan an die Wiener Sachertorte und benannten somit aus dem Bauch heraus „Saha“ als ein Gericht oder Essen. Aber auch Assoziationen wie „Soccer“ und damit ein Fußballspiel oder die „Sahara“ oder auch „Saha“ als ein Schimpfwort wurden genannt. Bei „Wala“, also der syrischen Redewendung für „echt, wirklich?“ dachten die meisten Leute an das französische „Voilà“ oder aber an das englische „water“ und gaben dementsprechend „Hier bitte“ oder „Wasser“ als Übersetzungen an. „Tamam“, auch der Name unseres Projektes,  wurde am häufigsten mit „Mama“ assoziiert – und viele kamen daher auf Mutter, Tante oder eine Person, die man lieb hat.

Es war jedenfalls eine Befragung, die allen, die sich darauf eingelassen haben, großen Spaß gemacht hat. Und die meisten wollten die Auflösung dann auch tatsächlich wissen. Natürlich haben wir es den Leuten auch nicht ganz so leicht gemacht – zunächst mussten sie das ausländische Wort nachsprechen, und zwar so lange, bis unsere Flüchtlinge das OK gegeben haben, dass es so auch richtig ausgesprochen ist. Meist waren sie jedoch gnädig bei der Beurteilung…

Tamam – Im Dienste der Wissenschaft

Ende Juni besuchten uns die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen der Universität Würzburg, Sabine Wolz und Tanja Wilkeneit, um sich einen typischen Tamam-Projekttag anzuschauen und sich einen Überblick zu verschaffen, was wir hier machen.

Der Hintergrund: An der Uni Würzburg wurde letzten November eine Forschungsstelle eingerichtet, in der mit den beiden Projektleitern – einem Professor der Kunstpädagogik und einem Professor der Sonderpädagogik – ein Forschungsprojekt durchgeführt wird. „Pädagogische Gelingensbedingungen und Wirkungen ästhetischer Bildung bei Menschen in sozial schwierigen Konstellationen („waebi“) – so lautet der Titel dieses Forschungsprojektes, das zwei Zielgruppen vereinen soll: Jugendliche mit sozialer Benachteiligung und Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund.

„Vor diesem Hintergrund suchen wir zehn Projekte, die sich damit beschäftigen,“ erklärt Sabine Wolz. „Die Projekte haben wir über das Internet recherchiert, und dieKunstBauStelle ist uns sofort positiv aufgefallen.“

Im ersten Schritt haben sich die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen angeschaut, wie wir gemeinsam mit den Jugendlichen arbeiten und ob gewisse Kriterien erfüllt sind – etwa, dass die Jugendlichen eigene Ideen einbringen können. In einem zweiten Schritt, der in einem separaten Termin durchgeführt wird, werden Interviews mit den Jugendlichen und den Referenten gehalten.

Das wissenschaftliche Forschungsprojekt wird bundesweit durchgeführt. „Die Sparten stehen uns dabei offen – von Musikrhytmus, Tanz, Bewegung, Improvisation, über bildende Kunst bis hin zum Zirkus,“ berichtet Tanja Wilkeneit.

„Dabei schauen wir auch gerne nach Projekten, die parallel unterschiedliche Sparten aufgreifen, wie das von  dieKunstBauStelle, das zum Beispiel Theater, Videodreh und Interviewführung miteinander vereint.“

Tanja Wilkeneit und Sabine Scholz waren ganz beeindruckt von unserer Arbeit. Sie empfanden die Stimmung im Team als sehr positiv und haben gestaunt, wie engagiert sich die Jugendlichen – ob Schülerinnen und Schüler des IKG oder die jungen Geflüchteten – einbringen.

Der Forschungsbericht wird in Schriftform veröffentlicht werden – ob in Buchform oder anderer Verschriftlichung steht derzeit noch nicht fest – in jedem Fall wird er auch online zu lesen sein. Gefördert wird das Forschungsprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

 

 

 

Tamam – Andere Länder, andere Redewendungen

Im Rahmen unseres Integrationsprojektes „Tamam“ sind wir in einem gemeinsamen kreativen Brainstorming auf die Idee gekommen, zu untersuchen, welche Redewendungen andere Länder und Kulturen haben.

So wie für viele der Geflüchteten unsere Redewendungen sicherlich seltsam klingen und unverständlich sind – etwa „Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm“ oder „sich ein Herz fassen“, klingen natürlich Redewendungen aus ihrer Heimat für uns komisch, wenn man sie wörtlich übersetzt. Dem wollten wir näher auf den Grund gehen. Und zuerst natürlich wissen, was gibt es bei ihnen für Sprichworte und Redewendungen und vor allem was bedeuten sie? Denn das wird auf Anhieb nicht unbedingt deutlich…

So haben wir uns zusammen gesetzt, überlegt und gesammelt, und es kamen für uns lustige und nachdenklich stimmende Sätze heraus:

„Jemand lernt aus seiner Tüte.“

„Der Esel fällt nicht zweimal in ein Loch.“

„Der Traum des Teufels ist das Paradies.“

„Du hast ein Gesicht genommen.“

„Du bist wie ein Berg im Sturm.“

„Eine Frau kämpft mit dem Mund“.

Bei einigen Redewendungen kann man sich die Bedeutung gleich denken, einige sind auch unseren sehr ähnlich. „Der Esel fällt nicht zweimal in ein Loch“, das wusste gleich jeder von uns, bedeutet „Den gleichen Fehler nicht zweimal machen“. Was aber bedeutet wohl „Jemand lernt aus seiner Tüte“?

Das wollten wir auch von den Landesbürgern wissen, haben uns gemeinsam drei Redewendungen aus Syrien und Eritrea ausgesucht und sind, ausgestattet mit Mikrophon und Aufnahmegerät, mit den Jugendlichen losgezogen, um sie zu befragen. Schnell wurde deutlich: Für die Passanten war es gar nicht so leicht, hier auf eine Bedeutung zu kommen und manche mussten erst einmal ziemlich überlegen.

Den jungen Geflüchteten hat die Befragung großen Spaß gemacht. Es war interessant und lustig für sie zu hören, wie die Leute die für sie so eindeutigen Redewendungen interpretieren. Schön war für sie auch, der Landsberger Bevölkerung ein Teil ihrer eigenen Kultur näher zu bringen und sich teilweise auch mit ihnen dazu auszutauschen.