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PASCH Sommerkurs 2016 in Amman

Ein Erfahrungsbericht von Julia Mann, Referentin
Ein Projekt des Programms «K-I-D-Z DaF-Doku-Theater» im Auftrag des Goethe-Institut Amman
25. Juli 2016, Amman

Amman: Eine Woche lang habe ich als Referentin einen Workshop an einer PASCH Schule in Amman unter der Leitung von Wolfgang Hauck, einem der Leiter des «K-I-D-Z-Programms DaF-Doku», mitorganisiert. Dort hat das Goethe-Institut Amman einen dreiwöchigen Sommerkurs für Jugendliche durchgeführt und uns eingeladen. Als Zusatzprogramm sollte der regulären Unterricht mit kreativen und handlungsorientierten Angeboten zum Deutschunterricht ergänzt werden.

Von den insgesamt 66 Teilnehmern hat eine gemischte Schülergruppe von 20 Teilnehmern, die bereits fortgeschrittene Grundkenntnisse in Deutsch hatten, teilgenommen. Dementsprechend war das sprachliche Niveau der Teilnehmer unterschiedlich und reichte von A1.2 bis A2. Daher überlegten wir uns kreative Techniken, mit denen unterschiedliche Sprachniveaus integriert werden können.

Als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache habe ich bisher in Deutschland hauptsächlich mit Erwachsenen gearbeitet. Dieses Projekt war für mich eine neue und spannende Herausforderung. Mit dem Leiter des Workshops, Wolfgang Hauck, habe ich bereits im Theaterbereich als Schauspielerin zusammengearbeitet. Somit konnte ich bei der Gestaltung des Workshops in der szenischen Arbeit an den Comicszenen, worauf ich im späteren noch eingehen werde, qualifiziert die Schüler unterstützen.

Am Beginn jedes Workshoptags stand ein Warm-Up mit unterschiedlichen Zielen: Teambildung, Sprache und Ausdruckstraining und Koordinationstrainings. Darin wurden die jeweiligen sprachlichen Themen des Vortages spielerisch integriert. Zum Beispiel: Die Vorstellungsrunde der Teilnehmer wird mit Bewegungen immer weiter verfeinert und das neue Vokabular mit einem Stimmtraining verbunden.

Durch unsere verschiedenen Methoden aus dem Theater- wie Kunstbereich konnten wir diese Warm-Ups flexibel gestalten, so dass wir uns an der jeweiligen Tagesform der Zielgruppen orientieren konnten. Die Übungen, die wir hierfür benutzten, sollten die Teilnehmer zum einen lockern und aufwärmen. Aufwärmen – das ist natürlich bei 35 Grad zwar weniger erforderlich, aber im klimatisierten Raum doch hilfreich. Hierfür bedienten wir uns klassischer Lauf- und Bewegungsspiele oder auch Konzentrationsübungen. Zum anderen wollten wir aber gleichzeitig neues Vokabular einführen, mit dem die Teilnehmer später arbeiten sollten. Durch beispielsweise Abzählspiele festigten wir den Umgang mit Zahlen oder erarbeiteten spielerisch neue Wortfelder wie Farben, Nomen, etc. . Neuer Wortschatz wurde am nächsten Tag durch kurze Wiederholungsübungen gefestigt. Gleichzeitig trainierten wir während des Warm-Ups die praktische Anwendung des Gelernten, indem die Teilnehmer vor der Gruppe laut sprechen sollten.

Ich erachtete diesen handlungsorientierten Ansatz als überaus erfolgreich, da die Schüler bisher zwar im Unterricht den ersten Kontakt zur deutschen Sprache bereits hergestellt hatten, jedoch die Fähigkeiten in Aussprache und Intonation durch die fehlende Praxis kaum gegeben waren. Das Ziel war es unter anderem, dass jeder Teilnehmer am Ende des Workshops in der Lage war, einige kurze Sätze in sicherem und korrektem Deutsch laut und deutlich vor der Gruppe sprechen zu können.

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Zum Training der Aufmerksamkeit und des Hörverständnisses haben wir das Interview als Gesprächsformat eingeführt. Zunächst haben sich die Schüler sich gegenseitig interviewt und dabei auch Ton- und Videoaufnahmen erstellt. Wir gaben ihnen hierfür einige Fragen an die Hand, um feste Strukturen einzuführen und diese zu trainieren. Dabei legten wir Wert darauf, dass trotz der eigenständigen Durchführung von Seiten der Schüler die korrekten Fragestrukturen im Hinblick auf Verbstellung, indirekte Fragesätze, etc. eingehalten wurden. Im Verlauf dieser Interviews ergaben sich durch die Antworten der Schüler verschiedene Interessengruppen, mit denen wir dann die weiteren Projekte planen konnten. Ziel dessen war, die Schüler und ihre Vorstellungen und Wünsche so weit wie möglich zu berücksichtigen und ein handlungsorientiertes Lernen zu gewährleisten.

COMIC
Eine der Gruppen, hauptsächlich ältere Schüler auf A2-Niveau, erwähnten in diesen Interviews ihren Wunsch, später einmal als Arzt arbeiten zu wollen. Daraufhin griffen wir diesen Berufswunsch als Kernthema auf und arbeiteten einen Gesprächsleitfaden für ein Interview mit einem jordanischen Arzt aus. Voraussetzung war, dass der Arzt ebenso Deutsch sprach. Durch die Kontakte des Goethe-Instituts konnte ein Interview mit dem Facharzt für Gynäkologie Dr. Rami Kilani organisiert werden.

Der Fragekatalog wurde daraufhin auf deutsch im Detail ausgearbeitet. Dieser Fragenkatalog wurde dann intensiv in Rollenspielen geübt und auch die Verwendung der Ton- und Videotechniken trainiert.

INTERVIEW
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Beim Interview selber übernahmen die Jugendlichen dann neben dem Interview auch die technischen Aufgaben und nahmen die Antworten des Arztes mit Foto, Video und Ton auf. Daraus wurde später eine Transkription erstellt, die die Teilnehmer ebenfalls in Deutsch verfassen sollten. Durch diese Aktivität konnten wir auch einen Fokus auf das Hörverstehen legen und gleichzeitig die schriftlichen Fähigkeiten wie Orthographie, Grammatik oder Zeichensetzung trainieren. Das Videomaterial wurde später verwendet, um einen Film als Making-Of zu produzieren.

Die Jugendlichen wurden durch Wolfgang Hauck in die Videobearbeitung eingewiesen und konnten damit den Rohschnitt und die Bearbeitung des Films selbständig übernehmen. Ich war erstaunt, wie interessiert die Schüler an das Thema herangingen und dadurch sprachlich schwierige Situationen selbständig zu lösen vermochten. Hierbei half vor allem das vorher eingeführte Vokabular, das die Teilnehmer mit den Warm-Up-Aktivitäten relativ spielend aufnehmen konnten. Die Schüler konnten und sollten ergänzend das Internet als Recherchemittel einsetzen, um Hintergrundinformationen zu bekommen und mussten dadurch mit unterschiedlichsten Quellen umzugehen üben.

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Für die übrigen Teilnehmer hatten wir eine Aktivität ausgewählt, die dem niedrigeren Sprachniveau entsprechend mit weniger Wortschatz auskommt, aber dafür mehr interaktive und soziale Komponenten spielerisch einbindet. Dazu haben wir das Format „Comic“ gewählt. Da einerseits die zeichnerischen Fähigkeiten nicht vorausgesetzt werden konnten und zum anderen der spielerische und dramaturgische Teil im Vordergrund stehen sollte, haben wir Comics mit Fotografie gewählt.

Dabei werden mit selbstgemachten Fotos und einer entsprechenden Software die Bilder im Comicstil umgewandelt und mit Sprechblasen gestaltet. Für diese Umsetzung sind Gruppen von drei bis fünf Teilnehmern ideal. Deswegen bildeten wir drei homogene Gruppen hinsichtlich Alter, Interessen und Sprachniveau. Die Jugendlichen entwickelten drei unterschiedliche Geschichten und Handlungsstränge. Als erster Arbeitsschritt stand die Entwicklung des Storyboards, um damit die Geschichte in einzelne Bilder aufzulösen. Die Gruppe der jüngsten Schüler im Alter von dreizehn Jahren brauchte hierbei die meiste Unterstützung im sprachlichen Bereich, denn die Comics sollten in Deutsch erscheinen.

Im Anschluss wurden die Fotos gemacht. Die Schüler sollten die für ihre jeweilige Geschichte erforderlichen Bilder in der Schule selber stellen und als Foto aufnehmen. Dabei hatten die Gruppen den ungeheuren Spaß am szenischen Spiel, weil es an die reale Umsetzung ihrer Idee ging. Sie waren physisch gefordert, was nach dem Brainstorming und der Erstellung der Storyboards für entsprechende Abwechslung sorgte.

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Die Idee bei der Auswahl des Mediums Comic war, dass damit auf ganz unterschiedlichen sprachlichen Levels gearbeitet werden kann, von einzelnen Wörtern wie Exklamationen und einfachsten Hauptsatzstrukturen in Sprechblasen bis zu komplizierteren Inhalten, die in ganzen Texten niedergeschrieben wurden. Bei schwierigeren Strukturen wie Nebensätzen, Perfekt, etc. bekamen die Jugendlichen Hilfestellung. Wir kontrollierten im Hinblick auf das Ergebnis dabei vor allem Rechtschreibung und Grammatik, erklärten den Schülern aber auch orthographische und morphologische Besonderheiten. Bei dieser Projektarbeit mussten wir auch hin und wieder auf Erklärungen in Englisch ausweichen, um das Vorgehen, im Speziellen den Umgang mit der Software zu erläutern.

Die Jugendlichen nahmen dies aber sehr schnell auf und waren am Ende in der Handhabung des Programmes absolut versiert. Nicht zuletzt war die Idee, ein Comic zu produzieren deshalb auch geeignet, weil die Schüler nach einer Woche Arbeit auch haptisch etwas in die Hand bekamen. Wir druckten die in dieser Zeit entstanden Ergebnisse aus, und die Schüler konnten somit ihren Mitschülern und Eltern drei „echte“ selbst hergestellte Comics präsentieren.

Wir kontrollierten immer wieder während des Workshops, dass die Teilnehmer auch untereinander Deutsch benutzten, was sich manchmal schwierig gestaltete, da alle die gleiche Muttersprache hatten und in den Diskussionen immer wieder auf diese zurückgriffen. Wir ließen das auch meistens erst einmal laufen, da es die Produktivität und damit auch die Motivation der Teilnehmer erhöhte. Dennoch achteten wir immer wieder darauf, dass bestimmte, festgelegte Strukturen und Vokabular Einfluss finden konnten.

Im Großen und Ganzen war dieser Workshop eine wunderbare Erfahrung für mich. Diese kreative-sprachliche Arbeit mit den Jugendlichen machte großen Spaß. Ich war erstaunt, wie motiviert die Jugendlichen waren, ihre Deutschkenntnisse so weit wie möglich anzuwenden und zu erweitern. Besonders in der „Interview“-Gruppe wurde im Hinblick auf das Thema Zukunft, Karriere, Studium nach dem Gespräch mit einem deutschsprechendendem jordanischem Arzt dem deutschen Spracherwerb ein hoher Stellenwert eingeräumt. Von einigen wurde Interesse an einem Austauschprogramm in Deutschland bekundet.

FAZIT
Meine Erfahrung ist, dass die Durchlässigkeit und Flexibilität bei diesem Workshop und die Berücksichtigung einerseits der Interessen andererseits aber auch des sprachlichen Niveaus der Teilnehmer zu einem enormen Schub für deren Motivation und Willen, sich beim Workshop einzubringen, führte.

Zudem konnten wir den Schülern den Umgang mit den entsprechenden Medien (Foto, Video, Comic-Software) vermitteln, so dass diese nach dem Workshop an ihren Ideen weiterarbeiten können. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv und im Verlauf der sieben Tage konnte ich bereits eine Verbesserung des sprachlichen Niveaus feststellen, was ich hauptsächlich auf die gewonnene Sicherheit der Schüler zurückführe, ihre erworbenen Sprachkenntnisse auch anwenden zu können.

LINKS
Goethe-Institut Amman, Jordanien
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K-I-D-Z DaF Doku-Theater

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Landsberg – Berlin – Istanbul – und zurück

von Andrea Schmelzle

In kultureller Flüchtlings- und Jugendarbeit lehrt der Landsberger Kulturverein «dieKunstBauStelle e.V.» in Kooperation mit dem Theater «Die Stelzer» Techniken der Kulturvermittlung auf nationaler und internationaler Ebene.

Landsberg am Lech, 27. Juni 2016. Der Landsberger Kulturverein «dieKunstBauStelle e.V.» bündelt als organisatorischer Träger sein Knowhow und seine Fachkenntnisse im Bereich der kulturellen Jugendarbeit immer mehr und ist mit der Vermittlung von Kulturtechniken auf nationaler und internationaler Ebene aktiv. Das Prinzip, Trainer zu trainieren, um einen Multiplikationseffekt zu erlangen, steht dabei stets im Vordergrund: Lokale Trainer werden unter professioneller Leitung als Multiplikatoren ausgebildet, die wiederum weitere Trainer ausbilden und Kinder mit kulturellen Angeboten betreuen sollen.

Das Format hat der Theaterleiter des Theaters «Die Stelzer», Wolfgang Hauck, entwickelt und setzt es zusammen mit Mitgliedern des Ensembles seit 2014 in der Türkei um. Die Arbeit mit Stelzen bildet die Basis, die mit anderen Tätigkeiten wie Kostümbau, Musik oder Zirkustechniken als „Social Circus“ verbunden werden. Speziell die Arbeit mit Stelzen hat sich als hervorragendes Mittel der Traumapädagogik erwiesen.

Begonnen hat alles in Landsberg am Lech mit Stelzenkursen. Bereits 2008 haben «Die Stelzer» mit Straßenkindern in Marokko Erfahrungen im Auslandseinsatz gesammelt. Danach folgten Kurse an Schulen und, im Rahmen des Freilichttheaters «Licca Line», der Aufbau einer Jugendgruppe über mehr als vier Jahre. Das Modell der Stelzen, das damals ursprünglich mit der Berufsschule Landsberg für das Stück «Licca Line» konstruiert wurde, ist mittlerweile weltweit im Einsatz – in Österreich, Nordirland, Italien, Irak und der Türkei.

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Kultur als Perspektive: Internationale Arbeit in der Türkei
Seit 2014 arbeiten «Die Stelzer» im Rahmen ihres „Cultural Relief Program“ mit Flüchtlingen in der Türkei. Zum Teil direkt an der türkisch-syrischen Grenze in Flüchtlingslagern und in der Stadt Mardin. Nun wurde die Tätigkeit auch auf Istanbul ausgeweitet. Da allein rund 250.000 Flüchtlinge in der türkischen Metropole leben, wird das Modellprojekt dort übertragen, um den Multiplikationseffekt zu vervielfältigen. Dabei wird mit Hilfsorganisationen zusammen gearbeitet, die in der Türkei Flüchtlingsbetreuung unterschiedlichster Art anbieten, etwa „Foundation for the Refugee Education Trust – RET“ – in Kiziltepe, oder „Roter Halbmond“ in Istanbul. Das Goethe-Institut Istanbul ist als Organisator und Träger beteiligt, und die NGO „Her Yerde Sanat Derneği“ aus Mardin fungiert als lokaler Partner zu den jeweiligen Flüchtlingscamps und der türkischen Verwaltung. Mit dieser Kooperation können «Die Stelzer» die entsprechenden Schulungen anbieten und durchführen.

Die oft traumatisierten jugendlichen Flüchtlinge brauchen nicht nur eine humanitäre Grundversorgung, sondern Perspektiven und Lichtblicke in ihrem Alltag voller Entbehrungen. „Je länger sich die Flüchtlinge an einem Ort aufhalten – und das gilt auch für die Situation bei uns – desto mehr entsteht hier ein Bedarf an Kultur und Bildung“, erklärt Wolfgang Hauck, Initiator des „Cultural Relief Programs“. „Kultur, Theater, Tanz und Musik werden immens wichtig für die Jugendlichen. Zum einen, um ihre Lebenssituation zu verbessern, zum anderen, um die eigenständige Teilhabe am Leben vorzubereiten und zu begleiten.“

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„Einfache Stelzen oder Hammerstiele als Percussioninstrumente reichen schon aus, um hier etwas zu bewirken“, so Hauck weiter. „Für die Kinder ist es eine wichtige Erfahrung, dass sie trotz allem, was sie erlebt haben, auch wieder in einem Alltagsleben ankommen, in dem es so etwas wie Spaß, Freude und Freunde gibt.“

Gerade vor wenigen Tagen ist er von einem neuntägigen Aufenthalt in Istanbul zurückgekehrt. Unterstützt wurde er erneut von den Landsbergern Leonard Mandl aus dem Stelzer-Ensemble und Anselm Kirsch (Percussionlehrer). Anlass der Reise war dieses Mal der World Refugee Day am 20. Juni 2016 – und das Team war sehr gefragt:

„In Esenler – einem Stadtteil in Istanbul, der allein 500.000 Einwohner hat – haben wir auf der Kinderstraße, in Zusammenarbeit mit der Stiftung „Insan Kaynaklari Gelistirme Vakfi“ unsere Workshops angeboten“
, berichtet Hauck. „Einen Tag später waren wir in Bakirköy – auf dem Hipodrom. Hier wurden Hilfsorganisationen und 500 Kinder, in Kooperation mit Project Lift, eingeladen, an verschiedenen Kursen teilzunehmen. Am nächsten Tag fuhren wir schließlich nach Kücükcekmece , ebenfalls ein Stadtteil von Istanbul – für einen Stelzen- und Zirkusworkshop für Erzieher der sozialen Einrichtung des „Roten Halbmond“.

Das Auswärtige Amt holt «Die Stelzer» nach Berlin
Aufgrund der internationalen Erfahrungen aus der Kulturarbeit mit jugendlichen Flüchtlingen in der Türkei wird die Arbeit der Stelzer mittlerweile auch auf Bundesebene angefragt. „In Berlin haben wir zweimal vor Bundestagsabgeordneten und Fachleuten aus verschiedenen Gremien unser „Cultural Relief Program“ vorgestellt“, berichtet Hauck. Etwa anlässlich des Forums «Menschen Bewegen» im April dieses Jahres: Drei Tage lang wurde das gesamte Spektrum der auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik der Bundesrepublik präsentiert.

Schon im August geht es wieder, anlässlich des Tags der Offenen Tür des Auswärtigen Amtes, zu einer Präsentation nach Berlin. „Dabei werden mehrstündige Workshops durchgeführt, in denen Jugendliche aus dem Irak als Trainer für uns tätig sind“, erzählt Hauck. Und das sind gute Bekannte der Stelzer, denn es handelt sich genau um die Jugendlichen, die einst in den Flüchtlingslagern in der Türkei geschult wurden. „Mittlerweile sind sie nach Deutschland geflüchtet, leben in Berlin und unterstützen uns als Trainer“, freut sich Hauck.

Förderungen durch den Freistaat Bayern
Auch bayernweit sind die Kulturprojekte des Vereins dieKunstBauStelle und der Stelzer gefragt und anerkannt:
DieKunstBauStelle führt in Glonn gemeinsam mit den Stelzern und in Kooperation mit der Jugendhilfeeinrichtung Schloss Zinneberg eine außerschulische Bildungsmaßnahme zur Förderung der sprachlichen und kulturellen Integration von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zusammen mit deutschen Schülerinnen und Schülern durch. „Mit der Verknüpfung von körperlichen und künstlerischen Tätigkeiten ist eine besondere Förderung im Hörverstehen und Sprechen möglich“, betont Hauck. „Bildung und Spracherwerb ist der erste Schritt zu einer gelingenden Integration in die Gesellschaft.“

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Dieses Bildungsprojekt „KIDZ Zinneberg“ hat auch das Ministerium überzeugt und erhält nun Fördermittel aus dem Kulturfonds 2016 des Freistaats Bayern, damit es schulbegleitend im Schuljahr 2016-2017 fortgeführt werden kann.

„Back to the roots“: Fokus auch wieder auf Landsberg und Umgebung
Durch die Erfolge der Projekte wie „KIDZ Zinneberg“ und unter anderem durch Filmberichte des Auswärtigen Amtes, haben sich immer mehr Organisationen und Institutionen bei Hauck gemeldet, um mit ähnlichen Modellen aktiv zu werden: So ist im Landkreis Landsberg nun eine Kooperation mit „Sternenwünsche“, einem Projekt des Rotary Clubs Ammersee-Römerstraße für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 17 Jahren in Vorbereitung. Schon in den kommenden Sommerferien könnte ein spezielles Kulturprogramm für Jugendliche durchgeführt werden. Dazu ist eine Projektwoche mit Jugendhilfeeinrichtungen im Landkreis Landsberg und im Ammerseegebiet geplant.

„Es ist uns wichtig, Vereine oder Projekte zu fördern, bei denen wir sehen, dass das Geld auch gespürt wird und nicht nur ‚Sand im Getriebe’ ist“, erläutert Silvie Braun, eine der „Sternenwünsche“-Botschafterinnen die Motivation, dieKunstBauStelle zu unterstützen. „Wir schätzen den Verein sehr und finden es toll, wie er mit seinen Projekten ganz unterschiedliche Kulturen und Menschen zusammenführt. Gerade für Kinder und Jugendliche muss viel mehr getan werden, denn schließlich sind die Kinder die Zukunft – unsere Zukunft.“

Und das gilt für überall auf Welt, egal ob sie aus Syrien, dem Irak, der Türkei, aus Berlin oder Landsberg kommen.

Zinneberger Bildungsprojekt erhält Mittel aus Kulturfonds

Wie der Ebersberger Stimmkreisabgeordnete Thomas Huber mitteilt, erhält das Bildungsprojekt KIDZ Zinneberg Fördermittel in Höhe von 21.600 Euro aus dem Kulturfonds 2016. Der Kulturverein „dieKunstBauStelle e. V.“ plant in Kooperation mit der Jugendhilfeeinrichtung Schloss Zinneberg die Durchführung einer außerschulischen Bildungsmaßnahme zur Förderung der sprachlichen und kulturellen Integration von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zusammen mit deutschen Schülerinnen und Schülern. Dabei wird auch das Theater «Die Stelzer», die bereits die Pilotphase 2016 begleitet haben, wieder die traumapädagogische Arbeite begleiten.

«Bildung und Spracherwerb ist der erste Schritt zu einer gelingenden Integration in die Gesellschaft. Mit der Bewilligung dieser Fördermittel unterstreicht dies auch der Freistaat Bayern ein weiteres Mal und setzt ein starkes Signal», so Huber.

Verteilt auf das Schuljahr 2016/2017 sollen 26 Kreativ-Tage in Form von Workshops mit bis zu 70 Schülerinnen und Schülern der Berufsintegration der Berufsschulen in Wasserburg und der Berufsschule zur sonderpädagogischen Förderung Schloss Zinneberg sowie des Förderzentrums zur sozialen und emotionalen Entwicklung Schloss Zinneberg durchgeführt werden. In den Workshops auf Schloss Zinneberg werden in Absprache mit den Lehrkräften gezielt Unterrichtsinhalte mit dem Ziel aufgegriffen, dass sich wertvolle Synergieeffekte zwischen Projektarbeit und Regelunterricht ergeben. Den Abschluss bildet eine Projektwoche am Ende des Schuljahres, die in einer Aufführung und/oder Ausstellungsperformance mündet.

In dem Projekt sieht Thomas Huber viel Potential und fordert: „Wenn sich am Ende des Projekts herausstellt, dass alle Beteiligten von der Maßnahme profitieren, dann sollte eine Ausweitung dieses Modells auf ganz Bayern in Betracht gezogen werden“, fasste Huber zusammen.

Kulturfonds 2016 umfasst 6,1 Millionen Euro – davon über 600.000 für den Bereich Bildung

462.000 Euro stehen heuer für den Bildungsbereich aus dem Kulturfonds 2016 insgesamt zur Verfügung, hinzu kommen knapp 174.000 Euro für Fortsetzungsmaßnahmen aus dem letzten Jahr. Von den Fördermitteln werden nun fast 128.000 Euro in die Erwachsenenbildung und in die kirchliche Bildungsarbeit fließen, für sonstige kulturelle Veranstaltungen von Musikfestivals über Theaterprojekte bis hin zu integrativen und inklusiven Bildungs- und Kunstprojekten stehen rund 334.000 Euro bereit. Bayernweit werden insgesamt 20 Vorhaben mit dem Kulturfonds 2016 im Bereich Bildung gefördert. «Mit dem Kulturfonds werden Kultur und Bildung in ihrer ganzen Breite und in allen Regionen unseres Landes unterstützt», erklärt der Demografiepolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion Huber.

Informationen zum Projekt unter: https://diekunstbaustelle.de/portfolio/k-i-d-z-zinneberg-2015-kulturelle-integration/

Thomas Huber: Webseite Thomas Huber – Zinnebergprojekt

Bilder: © Wolfgang Hauck

Video-Statements zum „Der Panther im Inselbad“

Das erste Video zum Kunst- und Jugendprojekt „Der Panther im Inselbad“ ist online auf YouTube:

YouTube Video

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion „Kann der Panther Sünde sein“ werden hier vorgestellt und geben Statements zum Künstler Fritz Behn und seiner Panther-Plastik.

Sie äußern sich zur widersprüchlichen und vielschichtigen Persönlichkeit Behns, der politisch ganz klar ein Rechter war und in der Nazi-Zeit gewirkt hat, was Fragen aufwirft wie „Ist Behns Kunst Nazikunst?“ oder „Gibt es überhaupt so etwas wie Nazi-Kunst“?

Und natürlich zu seinem Werk, dem Panther, der im Landsberger Inselbad beheimatet ist. Auch hier stellen sich Fragen: Wie wird der Panther wahrgenommen? Wie wird mit ihm umgegangen? Ist sein Platz in einem öffentlichen Raum angemessen für ein Kunstwerk?

Das Video gibt auch O-Töne von Landesbergerinnen und Landesbergern wieder, die zuvor von den Jugendlichen interviewt wurden.

Mit:

  • Oberst Daniel Draken, Kommodore des Luftgeschwader 61
  • Norbert Köhler, Vorstand und technischer Leiter der Stadtwerke Landsberg am Lech
  • Manfred Deiler, Präsident der Europäische Holocaust Gedenkstätte Stiftung
  • Dr. Joachim Zeller, Historiker, Autor „Wilde Moderne“
  • Wolfgang Hauck, Künstler und Projektinitiator
  • Karla Schönebeck, Journalistin und Moderatorin der Podiumsdiskussion

Kann der Panther Sünde sein? – Podiusmdiskussion 9. April 2016

Kann der Panther Sünde sein?
1937 Fliegerhorst Penzing – 2016 Inselbad Landsberg
Podiumsdiskussion zum Umgang mit Kunst des 20. Jahrhunderts
Eine Veranstaltung im Rahmen des Projekts «Der Panther im Inselbad».

Vortrag und Podiumsdiskussion
Samstag, 9. April 2016 um 19:00 Uhr
Sitzungsaal des Landratsamtes Landsberg am Lech

Teilnehmer der Podiumsdiskussion

Oberst Daniel Draken – Kommodore des Lufttransportgeschwader 61
Norbert Köhler – Vorstand der Stadtwerke Landsberg am Lech
Manfred Deiler – Präsident der Europäische Holocaustgedenkstätte Stiftung
Dr. Joachim Zeller – Historiker und Autor „Wilde Moderne“
Wolfgang Hauck – Künstler und Projektentwickler
Karla Schönebeck, Journalistin, Moderation

Hintergrund
Das Kunstprojekt von Wolfgang Hauck nahm 2014 seinen Ausgangspunkt mit Hinweisen der Journalistin Karla Schönebeck, zu einer Panther-Plastik im städtischen Inselbad in Landsberg am Lech. Diesen schwarzen Panther im Inselbad dürfte fast jeder Landsberger kennen. Wie aber kommt ein solches Kunstwerk in ein städtisches Freibad? Wie alt ist es und warum steht es dort?

An diesem Abend werden die aktuellen und neuen Ergebnisse erstmals vorgestellt. Der Weg des Panthers wurde geographisch, historisch und politisch nachvollzogen und zog dabei Kreise, die niemand bisher auch nur im An-satz vermutet hat. An diesem «Panther» bündeln sich vielfältigste Themen mit aktuellen Zeitbezügen, die einen großen Bogen zwischen Geschichte, Kunst im öffentlichen Raum und der Vergangenheit spannen.

In diesem soziokulturellen Projekt sind neben Künstlern, Journalisten und Historikern auch Jugendliche und Flüchtlinge eingebunden, die sich mit einem unbedarften Blick auf diese Auseinandersetzung eingelassen haben. Der erste Teil des Projekts war der historischen Recherche gewidmet, der zweite Teil wird die künstlerische Umsetzung sein. Vor diesem Hintergrund ist ein öffentlicher und offener Austausch erforderlich und wünschenswert.

An diesem Abend wird sich die Diskussion neben den spannenden und überraschenden Fakten zur Geschichte des Panthers, auch den Themen Kolportagen, Gerüchte, Vermutungen und welche Wege für eine neue Erinnerungskultur denkbar sind, widmen. Dazu soll die Frage von Chancen einer zeitgemäßen Erinnerungskultur für Stadt und Landkreis Landsberg am Lech diskutiert werden.

DOWNLOAD
Flyer 2016 Panther Podiusmdiskussion
Plakat 2016 Panther Podiusmdiskussion

FÖRDERUNG
Bayerisches Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst (Kulturfonds Bayern)
Fonds Soziokultur, Bezirk Oberbayern, Rotary Sozialfonds Greifenberg-Schondorf. e.V.

WEBSEITE
www.derPanther.org

Ausstellung: DER ROTE FADEN

DER ROTE FADEN – KUNTERBUNTE WELTEN
17.–23. MÄRZ 2016

SÄULENHALLE LANDSBERG AM LECH

ÖFFNUNGSZEITEN
Montag bis Freitag 13–19 UHR
Samstag und Sonntag 11–19 UHR

Vernissage Freitag 18. März um 19 Uhr
Workshops Samstag-Sonntag 13-17 Uhr

EIN PROJEKT VON
dieKunstBauStelle
Die Stelzer – Theater auf Stelzen
Mittelschule Landsberg am Lech

FÖRDERUNG
Gefördert durch das Projekt „Jugend ins Zentrum“ der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. im Rahmen des Programms „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Die Ausstellung wird vom Kulturbüro der Stadt Landsberg unterstützt.

PLAKATE
2016 Der Rote Faden Plakat A3 Blau web
2016 Der Rote Faden Plakat A3 Rot web

DER PANTHER IM INSELBAD – WEBSEITE

Die Webseite zum Projekt mit Bildern und Artikeln ist online!

WEBSEITE
www.derPanther.org

ARTIKEL ZUM PROJEKT «DER PANTHER IM INSELBAD»
Presseberichte im Landsberger Tagblatt.
Verpaßt? Hier sind die Artikel zum Nachlesen!

ARTIKEL IM LANDSBERGER TAGBLATT
24.03.2016 Ein Tierplastiker und die Politik
19.03.2016 Der Bruder taucht in Köln auf
14.03.2016 Dem Panther auf der Spur
12.03.2016 Die Odyssee des geheimnisvollen Panthers
10.03.2016 Wo kommt eigentlich der Panther her?

Geheimnissen der Geschichte auf der Spur

Den schwarzen Panther im Inselbad dürfte fast jeder Landsberger kennen. Die schwere Bronzeskulptur steht unmittelbar am Hauptschwimmbecken und dient nicht zuletzt auch als praktische Ablage für Handtücher und Badezeug. Wie aber kommt ein solches Kunstwerk in ein städtisches Freibad? Wie alt ist es und warum steht es dort? Mit diesen Fragen werden sich in nächster Zeit Landsberger Jugendliche im Rahmen eines neuen Projektes des Vereins „dieKunstBauStelle“ beschäftigen.

Reliket der Vergangenheit
Der Panther ist nicht das einzige Relikt aus der Vergangenheit, das wie selbstverständlich zum Stadtbild gehört. Auch die steinerne Inschrift beim Gasthof „Zum Mohren“ bereitete lange Zeit einiges Kopfzerbrechen. Mittlerweile ist das Kryptogramm aus dem Jahr 1647 entschlüsselt worden, wie man in den Landsberger Geschichtsblättern nachlesen kann. „Diese Objekte stehen oftmals einfach nur da. Sie sind so alltäglich, dass man sich normalerweise keine Gedanken über geschichtliche Zusammenhänge macht“, meint Wolfgang Hauck, der Initiator des Projektes.

Daher will die neue Projektgruppe zunächst einmal ein Bewusstsein dafür wecken, scheinbar Selbstverständliches genauer zu betrachten. Voraussetzung dafür sind Kenntnisse der lokalen Geschichte. Die Schüler und Jugendlichen werden bei ihrer Spurensuche unter anderem von der Journalistin Karla Schönebeck begleitet, die die historischen Recherchen vorbereitet. Dazu kommen Exkursionen in eine Gießerei, Archive und die Befragung von Zeitzeugen: „Erst bei tieferer Kenntnis ist es möglich, einen Kontext zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen. Und“, ergänzt Schönebeck, „mit diesem Wissen können die Teilnehmer eine eigene Haltung zu geschichtlichen Vorgängen entwickeln.“

Recherche und künstlerisches Auseinandersetzung
Es geht aber nicht nur um Zeitgeschichte. Hauck strebt mit dem Projekt gleichzeitig eine Auseinandersetzung unter künstlerischen Aspekten an. „Es ist ein Experiment mit ungewissen Ausgang, da die Jugendlichen ihre gewonnenen Erkenntnisse ebenfalls künstlerisch umsetzen sollen“, erklärt Hauck sein ehrgeiziges Projekt, das er als „work in progress“ bezeichnet. Diese Form der qualifizierten Annäherung soll im Ergebnis in Form von Texten, Malerei, Photographie, Installationen und Performance in einer multimedialen Ausstellung münden. Hierbei werden die Teilnehmer von bildenden Künstlern begleitet.

„Von dem, was wir bisher herausgefunden haben“, so Hauck und Schönebeck, „steht fest, dass es sehr spannend werden dürfte.“ Beide sind zuversichtlich, gemeinsam mit den Jugendlichen einen auch für die Stadt Landsberg wichtigen Beitrag zum Geschichtsbewusstsein zu liefern. Dass bei diesem Projekt auch jugendliche Flüchtlinge mitwirken, dürfte zudem eine weitere interessante Komponente sein. „Da wird noch einmal ein ganz anderer Blickwinkel mit hineinspielen“, ist Hauck überzeugt.

TV-Bericht zum Cultural Relief Program

TÜRKEI: Ein Zirkus für Flüchtlingskinder
Filmbericht der Deutschen Welle über das „Cultural Relief Program“ und die Circus Heros in Mardin.

„Mehr als eine Million Kinder sind durch den Bürgerkrieg in Syrien zu Flüchtlingen geworden. Kulturschaffende und private Helfer versuchen jetzt, einen Teil der Kinder aufzufangen – mit einem deutsch-türkischen Kinderzirkus.“

VIDEO Deutsche Welle 2016

TV-Bericht Deutsche Welle

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