Erzähl doch mal – Erinnerungen lebendig halten mit einer App

Erzähl doch mal – Erinnerungen lebendig halten mit einer App

Partizipative digitale Erinnerungsarbeit in Bayern

SCHWERPUNKT: Digitale Erinnerungsarbeit, Generationendialog, soziale Teilhabe im Alter, partizipative Kulturarbeit, intergenerationelle Medienkompetenz
ALTERSGRUPPE: Alle Altersgruppen; ältere Menschen als Zeitzeugen, Angehörige, Pflegekräfte, Ehrenamtliche
DURCHFÜHRUNGSZEITRAUM: 1. Juli 2026 – 31. Juli 2027
DURCHFÜHRUNGSORT: Bayern; Pilotregion Oberbayern
UMFANG: Modellprojekt; Pilotphase 2026–2027, geplante bayernweite Ausweitung
FÖRDERPROGRAMM: Fonds Soziokultur, Allgemeine Projektförderung
PROJEKTTRÄGER: dieKunstBauStelle e. V.
PROJEKTLEITUNG: Wolfgang Hauck
FACHLICHE BEGLEITUNG: Andrea Birner, gerontopsychiatrische Fachkraft, Füreinander e. V. Utting
KOOPERATIONSPARTNER: Technische Hochschule Augsburg (wissenschaftliche Evaluation); Füreinander e. V., Utting; Landkreis Landsberg am Lech / Koordinierungsstelle Seniorenpolitisches, 5 Gemeinden in der Pilotregion (nach Bewilligung verbindlich eingebunden)
DIGITALE PLATTFORM: BayernHistory (Smartphone-App, bestehende Infrastruktur)

INHALT / HINTERGRUND

Der demografische Wandel führt zu wachsender Einsamkeit älterer Menschen. Biografische Erinnerungen gehen verloren, wenn sie nicht weitergegeben werden. Junge Angehörige finden oft keinen Einstieg in Gespräche mit Älteren; internationale Pflegekräfte stoßen zusätzlich auf Sprachbarrieren.

Der Verein dieKunstBauStelle e. V. hat das Gesprächsformat Tisch der Generationen in über 30 Veranstaltungen erprobt. Die wissenschaftliche Evaluation durch die Technische Hochschule Augsburg belegte: Konkrete Einstiegspunkte und niedrigschwellige Fragen ermöglichen echten Dialog. Das Vorgängerprojekt Erinnerungsbuch im Demenzjahr im Landkreis Landsberg belegte die Wirksamkeit biografischer Arbeit.

2025 wurde im Rahmen der Kampagne „Demenz und wir“ des Landkreises Landsberg am Lech ein erster digitaler Prototyp entwickelt und erprobt – gefördert durch den Bayerischen Demenzfonds und die Sparkassenstiftung Landsberg-Dießen, durchgeführt gemeinsam mit Pajam Rais-Parsi (Koordinierungsstelle Seniorenpolitisches Gesamtkonzept), dieKunstBauStelle e. V. und Füreinander e. V. Das neue Projekt setzt dieses Pilotvorhaben in einem erweiterten, bayernweiten Format fort.

Bilder erinnern, mit Senioren sprechen: Eine App
Bilder erinnern, mit Senioren sprechen:

ZIELE

30 Personen aus fünf Gemeinden entwickeln partizipativ Inhalte und Methoden für digitale Generationengespräche. Es entstehen fünf Themenmodule mit über 50 Zeitzeugenaufnahmen, 100 historischen Bildern, Soundaufnahmen und Fragenkatalogen in vier Sprachen – kostenfrei zugänglich über die BayernHistory-App. Ein Handbuch dokumentiert die Methoden für den Transfer auf andere bayerische Regionen. 25 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren werden geschult. Nach Projektabschluss sollen 100–200 Familien, vier Seniorentreffs und 30 Pflegekräfte die Inhalte dauerhaft nutzen.

UMSETZUNG

In jeder der fünf Pilotgemeinden starten öffentliche Auftakt-Workshops im Format Tisch der Generationen. Aus den Teilnehmenden bilden sich lokale Redaktionsteams mit je fünf bis sechs Personen aus Ortschronisten, Seniorinnen und Senioren als Zeitzeugen, Angehörigen, Pflegekräften und Ehrenamtlichen. Die Teams werden in biografischem Erzählen, Gesprächsführung und Smartphone-basierter Audio- und Videoproduktion geschult. Sie führen Zeitzeugeninterviews, nehmen Dialekte und Sounds auf, sammeln historische Fotos aus privaten Fotoalben, Gemeindearchiven und Heimatmuseen und formulieren Gesprächsfragen in Zusammenarbeit mit einer Dialogformat-Expertin. Internationale Pflegekräfte übersetzen zentrale Inhalte in ihre Sprachen. Die entwickelten Inhalte werden in Familien, Pflegeeinrichtungen und Seniorentreffs erprobt; Feedback fließt in Überarbeitungen ein. Die Technische Hochschule Augsburg begleitet die Evaluation wissenschaftlich. Abschlussveranstaltungen in allen Gemeinden sowie eine zentrale Tagung präsentieren die Ergebnisse öffentlich.

WIRKUNG

Die Inhalte sind nach Projektabschluss dauerhaft und kostenfrei über die BayernHistory-App zugänglich. Geschulte Multiplikatorinnen und Multiplikatoren setzen das Modell eigenständig fort. Ein Handbuch sichert die Übertragbarkeit auf weitere bayerische Regionen. Die Technische Hochschule Augsburg dokumentiert die Ergebnisse wissenschaftlich.

EINORDNUNG

Das Projekt verbindet soziokulturelle Erinnerungsarbeit mit digitaler Kulturvermittlung und pflegewissenschaftlicher Fachkompetenz. Es erprobt ein übertragbares Modell für ländliche Räume in Bayern und reagiert auf den dokumentierten Bedarf an niedrigschwelligen Gesprächsformaten zwischen den Generationen. Der Modellcharakter liegt in der Verbindung von partizipativer Inhaltsentwicklung, intergenerationeller Medienkompetenz, Mehrsprachigkeit und der Nutzung bestehender digitaler Infrastruktur.

„Gerade im Alter, wenn viele Aufgaben und Ablenkungen wegfallen, kann uns ein Blick zurück in die Vergangenheit durch positive Erinnerungen stärken und eine Brücke zu unserer Seele bauen. Das ist Biografiearbeit. Eine besondere Bedeutung erhält diese bei nachlassendem Gedächtnis und beginnender Demenz.“
– Andrea Birner, gerontopsychiatrische Fachkraft, Füreinander e. V. Utting

Presseartikel

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Projektträger

dieKunstBauStelle e. V., Landsberg am Lech

Kooperationspartner

  • Technische Hochschule Augsburg (wissenschaftliche Evaluation)
  • Füreinander e. V., Utting
  • 5 Gemeinden in der Pilotregion

Förderung

  • Fonds Soziokultur e. V., Allgemeine Projektförderung
  • Weitere Förderung sind beantragt

Laufzeit

1. Juli 2026 bis 31. Juli 2027

Status

Ab 1. Juli 2026 in der Umsetzung.

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